Legasthenie früher erkennen und dadurch besser therapieren

12.1.2012

Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie und das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften aus Leipzig entwickeln gemeinsam einen Frühtest zur Diagnose von Legasthenie. Ziel ist es, Legasthenie bereits im Kleinkindalter zu erkennen und dadurch früher und effektiver zu behandeln.

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Eine Untersuchung der zugrundeliegenden Hirnstruktur soll dabei helfen, die Ursachen für Legasthenie zu erforschen.

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Moderne bildgebende Verfahren wie die Diffusionsbildgebung entschlüsseln die an der Sprachverarbeitung beteiligten Nervenfaserverbindungen.

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Schriftprobe eines Kindes mit Legasthenie.

Legasthenie ist eine schwere und andauernde Störung im Erwerb und Gebrauch der Schriftsprache. Den Betroffenen fällt es schwer, Gesprochenes in Schrift umzusetzen und umgekehrt. Dabei ist diese Form der Lese- / Rechtschreibschwäche keineswegs mit einer verminderten Intelligenz assoziiert. Da in der heutigen Gesellschaft jedoch ein Großteil des Wissenserwerbs und -austauschs schriftsprachlich erfolgt, gehört die Legasthenie zu den bedeutendsten Entwicklungsstörungen unserer Zeit. Etwa 5 Prozent aller Schulkinder sind von Legasthenie betroffen, jedes Jahr kommen allein in Deutschland etwa 35 000 Betroffene hinzu.

Dabei ist Legasthenie gut therapierbar. Besonders erfolgversprechend erscheint dabei ein frühes Training bereits im Kindergartenalter. Vorraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Diagnose. Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Diagnoseverfahren basieren ausschließlich auf schriftlichen und anderen sprachbasierten Tests. Diese können erst relativ spät durchgeführt werden. Die Untersuchung von Kindern ist in der Regel erst kurz vor oder nach Schul-beginn möglich. Da wesentliche Grundlagen des Schrift- und Spracherwerbs jedoch bereits ab der Geburt erworben werden, geht wertvolle Zeit für die Therapie verloren.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt zwischen dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie soll dieses Problem gelöst werden. Ziel ist es, ein zuverlässiges Diagnoseverfahren zu entwickeln, welches bereits im Kleinkindalter durchgeführt werden kann, also lange vor dem Erwerb von Lesen und Schreiben. Zudem soll das Projekt wesentlich zum grundlegenden Verständnis der Legasthenie und ihrer zugrundeliegenden Pathogenese beitragen.

Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass Legastheniker bereits sehr frühzeitig in der Sprachverarbeitung charakteristische Veränderungen in der Gehirnaktivität zeigen. Zudem ist bekannt, dass Legasthenie auch genetisch bedingt ist. Somit sind entsprechende neuronale Signaturen und genetische Muster vielversprechende Indikatoren, die zur Diagnose verwendet werden können. Gemeinsam werden die beiden Forschungsinstitute daher Patientengruppen mit modernen hirnphysiologischen und bildgebenden Verfahren (z. B. Elektroenzephalographie, Magnetresonanztomographie) auf solche Veränderungen untersuchen und genetische Risikovarianten anhand von Speichelproben identifizieren. Aus diesen Erkenntnissen wird ein breit einsetzbarer Frühtest entwickelt, der zukünftig potenziell gefährdete Kinder identifizieren soll.

Bereits vor sechs Jahren vereinbarten die Fraunhofer-Gesellschaft und die Max-Planck-Gesellschaft im Pakt für Forschung und Innovation eine strategische Partnerschaft. Daraus sind bislang rund 20 hochklassige Kooperationsprojekte hervorgegangen. Das hier vorgestellte Projekt zur Entwicklung eines verlässlichen Frühtests wird dabei in den nächsten drei Jahren mit knapp 2,5 Millionen Euro gefördert. Erste Studien und Gespräche mit Eltern zeigten bereits großes Interesse an einem solchen Test.

»Die Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft bündelt exzellente Kompetenzen in der Grundlagenforschung mit anwendungsorientierter Forschung«, fasst Dr. Johannes Boltze, Abteilungsleiter am Fraunhofer IZI, die Intention der Kooperation zusammen. »Ich denke, gemeinsam können wir Leipzig zu einem der führenden Standorte der Legasthenieforschung ausbauen«.

Auch Prof. Dr. Angela Friederici vom Max-Planck-Institut blickt zuversichtlich auf die gemeinsame Zusammenarbeit: »Das Projekt wird dazu beitragen, vielen Betroffenen einen leichteren Start in das Schulleben und somit auch in das spätere Berufsleben zu ermöglichen«.

 

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Dr. Arndt Wilcke
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