Neuartiges Antibiotikum zur Parodontitisbehandlung aus dem Fraunhofer IZI mit Hugo-Junkers-Preis 2018 ausgezeichnet

Presseinformation / 14.12.2018

Ein neuartiges, lokal anzuwendendes Antibiotikum zur Behandlung von Parodontitis haben die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI entwickelt. Dafür erhielt die in Halle (Saale) ansässige Projektgruppe »Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung« (MWT) am 12. Dezember 2018 den dritten Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung«.

Den 3. Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung« überreichten (v. l. n. r.) Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt und Prof. Dr. Sylvia Rohr, Juryvorsitzende und Geschäftsführerin der Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering GSaME der Universität Stuttgart, an Dr. Mirko Buchholz, Prof. Dr. Hans-Ulrich Demuth und Dr. Stephan Schilling von der Projektgruppe »Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung« (MWT).
© IMG Sachsen-Anhalt GmbH / Foto: Andreas Lander

Den 3. Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung« überreichten (v. l. n. r.) Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt und Prof. Dr. Sylvia Rohr, Juryvorsitzende und Geschäftsführerin der Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering GSaME der Universität Stuttgart, an Dr. Mirko Buchholz, Prof. Dr. Hans-Ulrich Demuth und Dr. Stephan Schilling von der Projektgruppe »Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung« (MWT).

Die Hugo-Junkers-Preise für Forschung und Innovation aus Sachsen-Anhalt werden seit 27 Jahren vom sachsen-anhaltinischen Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung vergeben und zeichnen zukunftsweisende Innovationen aus Wissenschaft, Industrie und Handwerk des Bundeslandes aus. Das Team um Prof. Dr. Hans-Ulrich Demuth und Dr. Mirko Buchholz von der Außenstelle MWT des Fraunhofer IZI erhielt für seine Entwicklung eines neuartigen, hochspezifischen Antibiotikums zur Behandlung von Parodontitis den dritten Preis in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung«. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann überreichte den mit 3.000 Euro dotierten Preis bei einer Festveranstaltung am 12. Dezember 2018 in Magdeburg.

Parodontitis ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung des Zahnfleischs, die zur Zerstörung des Zahnhalteapparates bis hin zum Zahnverlust führen kann. Darüber hinaus jedoch, und diese Gefahr wird oft unterschätzt, ist die bakterielle Infektion mit verschiedenen systemischen Erkrankungen assoziiert. So steigt beispielsweise das Risiko an Diabetes zu erkranken um das Elffache, das Schlaganfallrisiko erhöht sich um das Siebenfache. Auch das Risiko an Rheuma und Arthritis zu erkranken sowie das Herzinfarktrisiko erhöhen sich um ein Vielfaches. Ursache hierfür sind Bakterien, die sowohl Parodontitis verursachen, als auch in den Blutkreislauf gelangen und andere Stellen des Organismus schädigen. Derzeit wird Parodontitis noch durch manuelle Entfernung des Biofilms, also des mikrobiellen Zahnbelags, und tägliches Desinfizieren mit Mundwasser behandelt. Dies zerstört aber den kompletten Biofilm im Mundraum und begünstigt dadurch eine rasche Neubesiedlung durch Krankheitserreger. Bei schweren Fällen kommen aktuell Breitspektrumantibiotika zum Einsatz, was zur Entwicklung von Resistenzen führen kann und negative Auswirkungen auf das Darmmikrobiom hat.

Das in Halle (Saale) entwickelte neuartige Antibiotikum soll dagegen lokal angewendet werden und zerstört spezifisch nur die Parodontitiskeime. Der physiologische Biofilm im Mundraum bliebe somit erhalten. Die lokale Anwendung würde zudem sicherstellen, dass der Organismus insgesamt nur sehr gering mit Antibiotika belastet wird. Der patentierte Wirkstoff wurde bislang erfolgreich in Zellkulturmodellen getestet. Im nächsten Schritt müssen die Forscherinnen und Forscher Sicherheit und Wirksamkeit des Antibiotikums im Tier testen, bevor es anschließend in klinischen Prüfungen bei ersten Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen kann. Bei derzeit über 11 Millionen parodontalen Erkrankungen allein in Deutschland bedarf es dringend neuer Therapiestrategien und Wirkstoffe. Ein lokal anzuwendendes Antibiotikum, das gezielt die relevanten Parodontitiskeime zerstört und den physiologischen Biofilm im Mundraum schützt, wäre eine sinnvolle Therapieverbesserung.

Der erste und zweite Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung« gingen in diesem Jahr an das Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) für ihre Entwicklung einer neuartigen Glaskeramik mit niedriger Wärmedehnung und an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für ein neuartiges Adjuvans, einen Wirkverstärker für Impfstoffe, auf Nanopartikelbasis. Alle Nominierten dieser Kategorie sind in einem kurzen Video vorgestellt, ab Minute 2:15 der Beitrag der Projektgruppe »Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung« des Fraunhofer IZI.

Hugo-Junkers-Preis

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