Mikroelektronische/Optische Systeme für die Biomedizin

Unterzeichnung der Gründungserklärung für neues Fraunhofer-Projektzentrum in Erfurt

Pressemitteilung / 18.8.2017

In Thüringen entsteht ein neues Projektzentrum zur interdisziplinären Arbeit im Bereich Mikroelektronische und Optische Systeme für die Biomedizin. Drei Fraunhofer-Institute, die mit ihren Kernkompetenzen die Disziplinen Biowissenschaften, Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik sowie Optik und Photonik abdecken, werden gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an neuen biomedizinischen Anwendungen forschen. Zur Gründung des Projektzentrums hat der Freistaat Thüringen heute mit der Fraunhofer-Gesellschaft eine gemeinsame Gründungsvereinbarung unterzeichnet.

© Foto Fraunhofer IZI

Unterzeichnung der Gründungsvereinbarung durch Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft (links) und Wolfgang Tiefensee, Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (rechts).

Gesundheit, demografischer Wandel und Wohlergehen sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen. Diese sind nur zu bewältigen, wenn Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft eng zusammenarbeiten. Dabei sind der Einsatz und die Weiterentwicklung von Schlüsseltechnologien in Bereichen wie Biowissenschaften, Mikroelektronik sowie Optik und Photonik von besonderer Bedeutung. Aus diesem Grund werden am Standort Erfurt drei Fraunhofer-Institute im Rahmen des Fraunhofer-Projektzentrums »Mikroelektronische/Optische Systeme für die Biomedizin« gemeinsam an interdisziplinären Ansätzen arbeiten: das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS, ein führender Forschungsdienstleister im Bereich Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF, ein anerkanntes Kompetenzzentrum für die Optik und Photonik, sowie das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI, führend im Bereich der Biowissenschaften.

»Die Fraunhofer-Gesellschaft schafft seit Jahren dringend benötigten innovativen Input für die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft in Thüringen«, sagte Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Schon heute seien fünf Institute bzw. Institutsteile mit 600 Beschäftigten und einem Jahresbudget von 65 Millionen Euro im Freistaat aktiv. »Mit dem neuen Projektzentrum wird der Standort zusätzlich an der Schnittstelle der Thüringer Kernbranchen Optik, Medizintechnik und Mikroelektronik gestärkt.« Deshalb sei man sehr dankbar für die Entscheidung, das neue Projektzentrum in Erfurt anzusiedeln. Das Land wird die Gesamtkosten der Anlaufphase bis 2022 in Höhe von 35 Millionen Euro zur Hälfte tragen. Bereits in diesem Jahr stellt das Wirtschaftsministerium bis zu 750 000 Euro zur Verfügung. »Mein Zusage ist, dass wir gemeinsam mit den Akteuren vor Ort alles daran setzen werden, das neue Zentrum zu einem dauerhaften Erfolg für die Fraunhofer-Gesellschaft und den Technologiestandort Thüringen zu machen.«

Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, fügte hinzu: »Gesellschaftliche Herausforderungen wie das Vorantreiben der Biomedizin sind nur mit interdisziplinären Ansätzen zu lösen. Mit dem neuen Projektzentrum setzen wir hier ein deutliches Zeichen. Der interdisziplinäre Ansatz von Biowissenschaften, Mikroelektronik sowie Optik und Photonik wird zur erfolgreichen Weiterentwicklung von biomedizinischen Anwendungen und zu neuen medizintechnischen Lösungen zum Wohle aller beitragen. Dabei ist auch der Standort Erfurt mit seiner Forschungsinfrastruktur, den angesiedelten Unternehmen und der Anknüpfung an die Hochschulen in Erfurt, Ilmenau und Jena ein wichtiger Erfolgsfaktor.«

Prof. Hubert Lakner, Geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IPMS, ergänzte: »Die im Rahmen des Projektzentrums geplante rasche Überführung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen in kommerzielle Produkte kann nur gelingen, wenn Bauelemente und Systeme anschließend in einem industriellen Maßstab gefertigt werden können. Entsprechende industrielle Fertigungspartner müssen daher die gesamte Entwicklungsphase bereits begleiten. Arbeiten zum Transfer der Forschung und Entwicklung in industrielle Technologien und Pilotfertigung sind von Beginn an integraler Bestandteil des Projektzentrums.«

© Foto Fraunhofer IZI
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Transfer in die Industrie

Das Projektzentrum wird sich zunächst auf zwei ausgewählte Anwendungsfelder konzentrieren: die verbesserte medizinische Bildgebung und Visualisierung sowie Technologien für die Biomarker-Analyse. Perspektivisch ist die Ausweitung der Aktivitäten auf andere Anwendungsfelder denkbar. Unter Berücksichtigung von zum einen politischen Strategien wie der EU-Wachstumsstrategie, der Hightech-Strategie der Bundesregierung sowie der Thüringer Innovationsstrategie und zum anderen aktueller Trends der Biomedizin sollen anwendungsreife Systeme für Medizintechnik, Analytik, Diagnostik, Biotechnologie, Biophotonik, Pharma, Gesundheit und Altern sowie Ernährungswirtschaft entwickelt und in die Industrie transferiert werden. Die ersten fünf Jahre bis Ende 2022 sind als Aufbauphase vorgesehen. Die Anschubfinanzierung von 20 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre übernehmen die Fraunhofer-Gesellschaft und der Freistaat Thüringen gemeinsam zu gleichen Teilen. Ebenfalls zu gleichen Teilen übernehmen die Fraunhofer-Gesellschaft und der Freistaat Thüringen die Investitionen von rund 15 Millionen Euro für Bau und Ausstattung des neuen Projektzentrums. Danach soll das Projektzentrum in die Bund-Länder-Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen werden.