Parodontitis-Erregern die Zähne zeigen

Das orale Mikrobiom beherbergt mehr als 700 verschiedene Bakterienarten. Einige wenige können Parodontitis verursachen, die innerhalb von Plaques vor allem am Zahnfleischrand haften und dort Entzündungen (Gingivitis) verursachen. Eine daraus möglicherweise resultierende chronische Parodontitis führt nicht nur dazu, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zähne locker werden. Gelangen die Bakterien in den Blutkreislauf, kann das auch die Entstehung von Diabetes, Rheuma, Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und sogar Alzheimer begünstigen.

Herkömmliche Mundpflegeprodukte, etwa als Mundspülungen mit Alkohol oder mit dem Antiseptikum Chlorhexidin, töten zwar die Pathogene, aber auch alle anderen Keime. Wenn sich die Mundflora nach der Behandlung wieder aufbaut, haben pathogene Keime wie Porphyromonas gingivalis einen Startvorteil, weil sie sich auf entzündetem Zahnfleisch besonders gut vermehren können. Die gesunden Keime hingegen wachsen langsamer und die Mundflora kippt schnell wieder aus dem natürlichen Gleichgewicht in eine Dysbiose – die Krankheit kehrt immer wieder zurück.

Forschende des Fraunhofer IZI haben eine Substanz identifiziert, die gezielt schädliche Erreger wie Porphyromonas gingivalis blockiert, die anderen Keime aber verschont. Die Gingivitis-Erreger werden damit nicht abgetötet, deren Wachstum jedoch gehemmt. Dadurch können sie ihre giftige Wirkung nicht entfalten und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. So hilft die Substanz im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen bzw. stabil zu halten.

Für die Entwicklung neuartiger Zahnpflegeprodukte wurde 2018 das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals GmbH gegründet und eine Zahnpasta zur Vorbeugung von Paradontitis entwickelt. Diese enthält, neben den typischen Inhaltsstoffen zur Vorbeugung von Karies, den Wirkstoff zum Erhalt des gesunden Mikrobioms.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer IZI wurde dieser zuvor eingehend biochemisch und strukturbiologisch untersucht, um sicherzustellen, dass die Zahnpasta alle erforderlichen Eigenschaften eines sicheren und wirksamen Zahnpflegeprodukts erfüllt. Hierzu gehört, dass der Wirkstoff spezifisch nur das Wachstum der Parodontitis-Erreger blockiert, er nicht vom Organismus absorbiert wird oder ins Blut gelangt und dass er keine Verfärbungen auf den Zähnen erzeugt.

Am Fraunhofer IMWS erfolgten zudem materialwissenschaftliche Untersuchungen, anhand derer die Putzeigenschaften der Zahnpasta geprüft und optimiert wurden.

Mitte 2025 erfolgte die Markteinführung. Im nächsten Schritt sollen weitere Produkte, unter anderem auch für Anwendungen in der professionellen Zahnmedizin und in der Tiergesundheit zur Marktreife entwickelt werden.